Homöopathie

Oft wird gefragt, ob eine schulmedizinische oder eine homöopathische Behandlung besser ist. Hierzu muss man ganz klar sagen, dass die Frage so nicht beantwortet werden kann.

Ich verstehe die Homöopathie sowohl als alleinige Therapie sowie ideale Ergänzung zu anderen Therapien.

Nach meiner Überzeugung gibt es viele Krankheiten und viele Bereiche, in denen der Einsatz homöopathischer Mittel angebracht ist und in denen es keine adäquate Behandlungsmöglichkeit mit schulmedizinischen oder anderen naturheilkundlichen Mitteln gibt.

In diesen Fällen kann der Verzicht auf eine homöopathische Behandlung dazu führen, dass der Heilungsprozess sehr viel langsamer abläuft oder gar nicht erst stattfindet. Andererseits gibt es sehr viele sogenannte Kontraindikationen, also Fälle, in denen allein der sofortige Einsatz einer anderen naturheilkundlichen oder schulmedizinischen Behandlung angebracht ist.

Wann sind also homöopathische Mittel nicht angebracht?

Eine rein homöopathische Behandlung ist nicht angebracht, wenn:

- eine direkte Behandlung der Krankheitsursache möglich ist, z.B. dort wo der Ersatz eines fehlenden Stoffes erforderlich ist, wie z.B. beim Diabetes, oder wo ein krankes Organ dauerhaft unterstützt werden muss.

- Akute schwere Schmerzen gelindert werden müssen (Ischialgie, Wirbelblockaden etc.), die z.B. den Einsatz der Chiropraktik und / oder Neuraltherapie o.ä. nahe legen.

- Bei allen Fällen, in denen operativ eingegriffen werden muss, also z.B. ein Magendurchbruch, einer Blinddarmreizung oder bei Unfallschäden.

- In den Fällen, in denen eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich ist.

- Wenn ein krankes Organ seine Funktion aufgegeben hat, z.B. bei einem Nierenversagen, bei dem dem Patienten nur durch eine Dialyse geholfen werden kann.

Außerdem führe ich bei unklaren und ernsthaften Beschwerden grundsätzlich immer zuerst eine Diagnostik auf schulmedizinischer Basis durch.

Homöopathische Mittel eignen sich besonders gut für

- Chronische Erkrankungen aller Art, in vielen Fällen hat hier bereits eine schulmedizinische Behandlung stattgefunden, aber keine nennenswerte Besserung der Leiden gebracht. Hierzu zählt auch die Schmerztherapie

- Leichte akute Krankheitsfälle, z.B. grippale Infekte, Magenverstimmungen, Durchfall und kleine Verletzungen.

- Homöopathische Mittel können sich in einigen Fällen (nicht in allen!) auch hervorragend für schwerere und akute Krankheiten eignen, aber nur dann, wenn ein erfahrener Homöopath, der sowohl die schulmedizinische als auch die homöopathische Behandlungsweise kennt, sich für die homöopathische Therapie entscheidet.

Grundsätze der Homöopathie

Der Begründer der Homöopathie ist Dr. med. habil. Samuel Hahnemann (1755-1843). Er war einer der führenden Wissenschaftler jener Zeit, der als Arzt, Apotheker und Chemiker viele wertvolle Arbeiten veröffentlichte, unter anderem ein vierbändiges Apothekerlexikon, dessen Angaben heute noch Grundlage des amtlichen Homöopathischen Arzneibuches (HAB) sind.

Hahnemann machte eine erstaunliche Entdeckung: Eine Substanz, die einen Gesunden krank macht, kann einen Kranken mit einer ähnlichen Krankheit heilen. Daher stammt auch die Bedeutung des Wortes Homöopathie, griechisch bedeutet es "ähnliches Leiden" (homoion=ähnlich, pathos=Leiden), was meint, dass in der Homöopathie eine Krankheit mit einem Arzneimittel behandelt wird, das am Gesunden "ähnliche Leiden" hervorruft. Die Ähnlichkeitregel (oder Simile-Regel) ist zum Fundament der Homöopathie geworden: Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden.

Wie kann man sich diese Wirkungsweise im Körper vorstellen?

Die Homöopathie geht davon aus, dass Krankheitssymptome nicht die Krankheit selbst sind, sondern Reaktionen auf Störursachen, die zeigen, dass der Körper selbsttätig wieder das Gleichgewicht herstellen will. Die Homöopathie versucht also nicht, die Symptome zu unterdrücken, sondern die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen.

Homöopathie ist aktive Hilfe zur Selbsthilfe des Körpers.

Beispielsweise kommt es nach der Einnahme einer homöopathischen Zubereitung aus dem wilden Jasmin (Gelsemium sempervirens) zu Fieber und Abgeschlagenheit, zu typischen Grippesymptomen. Somit ist es leicht nachvollziehbar, dass der wilde Jasmin entweder allein oder häufig als wichtiger Bestandteil in homöopathischen Grippemitteln verwendet wird.

Die eingesetzten Arzneistoffe werden traditionell in lateinischer Sprache bezeichnet. Auf den Namen folgt einer der Buchstaben "D", "C" oder "LM" plus einer Ziffer. Gelegentlich taucht auch das Zeichen Ø oder alternativ der Begriff "Urtinktur" auf. Beispiel: Gelsemium sempervirens D 12 oder Passiflora incarnata Ø. Diese etwas komplizierte Bezeichnungsweise gibt die sogenannte "Potenz" des verwendeten Stoffes an. Auch der Begriff "Potenz" kommt aus der lateinischen Sprache und lässt sich mit "Kraft" oder "Stärke" übersetzen. Es gibt an, auf welche Weise der verwendete Wirkstoff verarbeitet wurde.

Auf dem Gebiet der Herstellung homöopathischer Heilmittel hat Hahnemann ebenfalls genaueste Vorschriften erlassen mit dem Ziel, den Grundsubstanzen die nötige "Kraft" zu geben, mit Hilfe des Verfahrens der Potenzierung. Das funktioniert wie folgt: Der Extrakt einer Arzneipflanze wird nach einer im sogenannten homöopathischen Arzneibuch dargelegten Vorschrift hergestellt und erhält den Namen "Urtinktur" mit dem schon genannten Kürzel "Ø". Die Urtinktur wird nun mit einer Alkohol-Wasser-Mischung versetzt, gemischt und sorgfältig geschüttelt. Man erhält die erste homöopathische Potenzstufe, die je nach Mischungsverhältnis als Urtinktur/Alkohol-Wasser- Mischung bezeichnet wird.

Ein Mischungsverhältnis Urtinktur/Alkohol-Wasser-Mischung von 1:10 entspricht der ersten Potenzstufe D 1, 1:100 der ersten Potenzstufe C 1, 1:50.000 der ersten Potenzstufe LM 1.

Zur nächsten Potenzstufe gelangt man, wenn die hergestellte erste Potenz wieder im selben Verhältnis mit einer Alkohol-Wasser-Mischung versetzt und geschüttelt wird. Je nach Mischungsverhältnis entsteht die D 2, C 2 oder LM 2. Dieser Vorgang, die Potenzierung, setzt man so lange fort, bis man die gewünschte Potenz erhält. Bei den nicht flüssigen Darreichungsformen wird die Ausgangssubstanz statt durch Mischen und Schütteln eines Alkohol-Wasser- Gemisches mit Milchzucker verrieben. Die materielle Substanz nimmt dabei ab, die für die Heilwirkung verantwortlichen, verborgenen dynamischen Kräfte werden durch die Potenzierung gesteigert.